Das Areal des ehemaligen Gaswerkes Leopoldau umfasst eine Gesamtfläche von 13,5ha und liegt im nördlichen Stadtgebiet Wiens, im 21. Bezirk Floridsdorf. Das Gebiet ist umgewidmet worden und wird nun für geförderten Wohnbau und gewerbliche Nutzungen verwendet. Das neu entwickelte Gebiet ist in einem großen Erweiterungsgebiet der Stadt Wien eingebettet. In der Umgebung sind viele bestehende Betriebe sowie die Siemens City, ENERGY base, TECHbase und das Krankenhaus Nord.
1912 erfolgte die Eröffnung des Gaswerkes Leopoldau. Auf dem Areal stehen insgesamt 17 denkmalgeschützte Bestandsgebäude. Die Liegenschaft steht im Eigentum von Kuratorium des Kaiser Franz Josef I. Jubiläumsfond für Werkstättengebäude und Volkswohnungen. Für die Eignung zum Zweck der gewerblichen Nutzung und Vermietung des KJF wurden drei benachbarte Bestandsgebäude ausgewählt: das Verwaltungsgebäude, die Hauptwerkstätte und die ehemalige Schlosserei. Alle drei Gebäude stehen unter Denkmalschutz.
Das markante Werkstättengebäude befindet sich neben dem Verwaltungsgebäude und besticht durch seine Gliederung. Eine dominante Mittelhalle wird durch kleinere Hallenbauten beidseits flankiert. Die drei Hallen werden durch niedrige, flachgedeckte Werkstätten zu einer Einheit verbunden. Die Fassade wird durch feingliedrige raumhohe Stahlfenster, verglaste Torflächen, betonte Giebelfelder und ausgeprägte Gesims-Vorsprünge bestimmt. Im Inneren beeindrucken die Stahlkonstruktion des Daches und die zur besseren Belichtung aufgesetzten Glaslaternen sowie die Verglasung der Mansarde der Mittelhalle. Der Sockelbereich des Gebäudes wurde in Bruchstein ausgeführt. Das ursprüngliche Gebäude wurde durch Anbauten im gleichen Baustil bzw. reduzierter Ausformung an der nördlichen Rückseite verlängert. An der vereinfachten Dachkonstruktion sind diese Zubauten erkennbar. Im Osten wurde das Gebäude durch einen unpassenden Zweckbau, welcher als Schweißerei genutzt wurde, erweitert (kein Denkmalschutz).
Das Gebäude liegt in der Nähe des Haupteinganges in das Gaswerkgelände. Das zweigeschossige Gebäude ist mehrfach gegliedert und zeigt ein steil aufragendes Walmdach. Der Gebäudemittelteil wird von zwei Seitenrisaliten flankiert, die an den Stirnseiten zusätzliche Nebeneingänge mit darüber genutzten Balkonen aufweisen. Der vorspringende Eingang mit einem Windfang befindet sich in der Gebäudemitte und wird im Obergeschoss als Balkon genutzt. Die Dachlandschaft zeigt Krüppelwalmdächer über den Seitenrisaliten und aufwendig konstruierte Walmgauben. Zusammen mit dem Bruchsteinsockel des Gebäudes ist der Einfluss des „Heimatstils“ merkbar. Zukünftig soll das Gebäude mit den großen und hohen Raumeinheiten gewerblich genutzt werden.
Im Norden hinter dem Werkstättengebäude befindet sich die ehemalige Schlosserei. Der eingeschossige Hallenbau mit einem Tonnendach wurde seit der Errichtung zweimal in Längsrichtung erweitert. Analog zum Werkstättengebäude wurden feingliedrige Stahlfenster und verglaste Tore ausgeführt. Das Gebäude hat eine einfache Struktur und ist flexibel nutzbar.
Allgemeines
Die Liegenschaft steht im Eigentum von Kuratorium des Kaiser Franz Josef I. Jubiläumsfond für Werkstättengebäude und Volkswohnungen.
Die Hauptwerkstätte, das Verwaltungsgebäude und die Schlosserei wurden generalsaniert, umgebaut und erweitert. Die drei Gebäude sind über einen gemeinsamen Gewerbehof verbunden. Die Zufahrt erfolgt von der Marischkapromenade zwischen Werkstätte und Verwaltungsgebäude. Der bestehende, befestigte Hof wurde durch Grünflächen ergänzt. Es wurden KFZ Stellplätze für Lieferfahrzeuge geschaffen.
Ein im Zentrum des Gebäudekomplexes vorhandenes, aber verfallenes Nebengebäude wurde als Lager/Traforaum genutzt und saniert. Die Haupterschließung der Werkstätte, der barrierefreie Zugang und Transportweg zum Verwaltungsgebäude sowie der Zugang zur Schlosserei erfolgen über den „Gewerbehof“.
Werkstättengebäude
Die ehemalige Schweißerei, angebaut an das Werkstättengebäude, wurde umgebaut und verkleinert. Dieser Gebäudeteil wurde vom Werkstättentrakt abgesetzt und durch einen transparenten Übergang angebunden.
Das bestehende Dach im nordwestlichen Trakt wurde ident zum Osttrakt erweitert. Durch den Dachgeschoßausbau entstanden neue Betriebsflächen. In der Mittelhalle wurde durch den Einbau einer Tramtraversendecke ein neues Zwischengeschoß ausgebildet. Die Positionierung des Lastenaufzugs in der Mittelhalle ermöglicht die barrierefreie Erreichbarkeit aller Geschoße.
Verwaltungsgebäude
Für die gewerbliche Nutzung wurden im Verwaltungsgebäude statisch nicht notwendige Trennwände entfernt und getrennte Brandabschnitte für Betriebseinheiten neu geschaffen, wobei die Trennwände mit den historischen Füllungstüren im 1.OG erhalten blieben.
Im Dachgeschoss zusätzliche Flächen ausgebaut. Die Erschließung dieses neuen Dachgeschoßes erfolgte durch die Erweiterung der Hauptstiege. Der Ausbau erfolgte aufgrund des Denkmalschutzes innerhalb des bestehenden Dachumrisses. Eine Deckenverstärkung wurde mit einer Stahlbeton-Verbundkonstruktion hergestellt.
Ein Lastenaufzug erschließt alle Geschosse mit der Ausnahme des letzten Dachgeschoßes, weil hier die Ausbildung einer Überfahrt im historischen Dachumriss nicht möglich war. Ein Ausnahmeersuchen wurde vom Bundesdenkmalamt erstellt. Im Kellergeschoß wurden Lager- und Haustechnikräume geplant.
Die gesamte Haustechnik wurde erneuert, wobei dem industriellen Charakter entsprechend, Aufputzverlegungen vorgesehen worden sind. Im Verwaltungs- und Werkstättengebäude wurden neue Sanitärgruppen errichtet.
Die feingliedrigen Stahl- und Holzfenster, sowie Architekturdetails z.B. Regeneinlaufkessel, glasierte Dachreiter, Stiegenhaus,- Balkongeländer, historische Steingut Keramik und Fliesen wurden saniert bzw. restauriert.