Die entwurfsbestimmenden Parameter sind zum einen die Verlegung des Eingangs Richtung Norden, um die Schüler soweit wie möglich vom Verkehr zu separieren. Zum anderen die Erweiterung und Zusammenführung des äußeren Freibereichs der bestehenden HAK mit dem neu zu errichtenden BORG. Durch die Nähe der beiden Haupteingänge zueinander entsteht ein gemeinsamer Dreh- und Angelpunkt der beiden Schulen abseits des fließenden Verkehrs. Ein wichtiger Kommunikations- und Sammlungsbereich für die SchülerInnen wird dadurch geschaffen. Die Treppenanlage vom Vorplatz zum 1.OG ist leicht nach Außen gedreht und erzeugt dadurch eine Geste des Hineinführens und nimmt als Referenz zum Bestand die Schräge der bestehenden Handelsakademie auf.
Das Eingangsniveau von 398,25 ist so gewählt, dass die bestehende Höhenlage des Vorplatzes zur HAK mit einer Höhe von 397,60 barrierefrei durch eine Rampe mit 4% Steigung angeschlossen werden kann. Dadurch liegt das Niveau zwar unter der gewünschten Höhe von 398,85 bis 399,70, jedoch über dem angrenzenden Straßenniveau und es wird ein barrierefreier gemeinsamer Freibereich geschaffen.
Die Sportfreiflächen im Osten des Grundstücks bilden mit der angrenzenden Pausenfläche einen großen, gemeinsamen Freibereich. Die Verlegung des Haupteingangs in den Norden und dessen Orientierung zur HAK sorgen dafür, dass die Schülerinnen das Schulgebäude über eine gesicherte Pufferzone verlassen und nicht direkt auf den Straßenverkehr zusteuern. Die Parkplätze sind im Süden angeordnet und werden durch ein Einbahnsystem erschlossen. Zwei behindertengerechte Parkmöglichkeiten werden unter der schützenden Auskragung beim Nebeneingang im Süden geschaffen. Für die Fahrräder wird der bestehende Raum an der Südgrenze des Grundstücks weiterverwendet. Der Umkehrplatz bleibt wie gefordert unverändert.
Durch die Situierung des Eingangs mit Zentralgarderobe und Aula im 1.OG wird ein fließender Übergang zwischen äußerem und innerem Raumerlebnis geschaffen. Sitzstufen die sowohl im Außenbereich wie im Gebäudeinneren als Tribünen für Veranstaltungen genutzt werden können, verbinden die Schule über alle drei Geschosse.
Die Aula ist über diese Stiegenanlage mit dem Aufenthaltsbereich und der Bibliothek im 2. OG verbunden und gemeinsam bilden diese Bereiche das Herzstück des Entwurfs. Der freie Lernbereich im obersten Geschoss kann durch die Bewegungsflächen und Pausenbereiche flexibel erweitert werden. Die Sitzstufen die das 1. und 2. OG verbinden sind eine Erweiterung der Aula und gleichzeitig können sie dem Bibliotheksbereich zugeschaltet werden und als Lesezone dienen. Der Verwaltungsbereich liegt unmittelbar hinter der Aula im 1.OG wodurch alle Bereiche für die LehrerInnen auf kürzestem Weg erreicht werden können.
Die Unterrichtsräume des Theoriebereichs sind ausnahmslos im 2. Obergeschoss angeordnet. Die Orientierung der Klassenräume Richtung Osten sorgt für eine ausgezeichnet Belichtung und schafft dadurch ein perfektes Lernumfeld. Daran angeschlossen wird der Bereich für freies Lernen und der Bibliotheks- und Pausenbereich, welcher sich über die Sitzstufen in das 1.OG zur Aula erweitert. Durch diese Situierung werden alle 8 Klassenräume absolut gleichwertig behandelt und die Schüler haben kürzeste Wege von Ihrem Unterrichtsraum zu den inneren Freibereichen. Durch die räumliche Anordnung der Bereiche des freien Lernens, Sprechbereich, Pausenbereich und Bibliothek wird ein höchst flexibler Raum geschaffen, der sich beliebig bespielen lässt und das gesamte Gebäude über alle Geschosse bis nach Außen verbindet. Die EDV-Räume sind im, von der Wärmeeinstrahlung geschützteren EG angeordnet. Die Sonderunterrichtsräume Bildnerische Erziehung und Biologie befinden sich ebenfalls im EG mit direktem Gartenzugang, sodass der Unterricht rasch ins Freie verlegt werden kann.
Die konstruktiven Elemente – tragende Wände Decken, Stützen sind zur Erreichung der notwendigen Speichermassen in Stahlbeton vorgesehen. Die im 2.OG als Fassadenbekleidung verwendeten gefärbten Alu-Kassetten akzentuieren den Theorietrakt und lassen ihn über dem Gebäude schweben.
Das Zurücksetzen der Fassade im 1.OG sorgt für eine natürliche Beschattung und die Glasflächen können einfach von außen gereinigt werden. Die Fenster des EG und 2.OG erhalten einen Außenliegenden Sonnenschutz. Die großen Fensteröffnungen, die das Gebäude im Westen öffnen und bis über das Dach geführt werden bekommen starre Lamellen zum Schutz vor übermäßiger Sonneneinstrahlung.
Für den Neubau des BORG wird gleich wie in der bestehenden HAK eine Wärmepumpenanlage vorgeschlagen. Strom dafür wird aus einer Photovoltaikanlage bezogen, deren Solarzellen gemeinsam mit den Kollektoren für die Wärmeerzeugung zur Warmwasserzubereitung auf dem Dach der neuen Turnhalle errichtet werden. Um eine sommerliche Überwärmung zu vermeiden werden alle Bereiche mit einem einstrahlungsgesteuertem Sonnenschutz versehen. Die vom Belasteten Bereiche werden zusätzlich durch eine aktive Nachtlüftung thermisch entladen.
Bedingt durch die Nutzung sind in Schulen über die Unterrichtszeiten sehr dichte Personenbelegungen gegeben. Um dennoch gute Frischluftqualität zu garantieren und dadurch das Lern- und Lehrklima positiv zu beeinflussen wird eine Kontrollierte Raumbelüftung für das Gebäude vorgeschlagen.