Die Entwicklungen des gesellschaftlichen Umfeldes nehmen an Tempo immer mehr zu, sodass sich das Lebensumfeld (Kommunikation, Arbeitsumfeld, soziales Umfeld, …) schon von einer auf die nächste Generation entscheidend verändern. Derzeit nehmen bis zu fünf Generationen gleichzeitig am gesellschaftlichen Leben teil. Die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen durch Interessensvertretungen einzelner Generationengruppen ist auf Grund der dadurch gegebenen konfrontativen Auseinandersetzung zusätzlich erschwert.
Gesellschaftliche Herausforderungen können effizienter gemeistert werden wenn sich eine, über alle Generationen verbreitete, Solidarität entwickelt.
Durch regelmäßigen Kontakt und der bewussten moderierten Auseinandersetzung mit gemeinsamen Thematiken entstehen folgende Lernfelder:
Es ist nicht das Ziel junge oder ältere Menschen zur Betreuung anderer Generationen heran zu ziehen. Gegenseitige Unterstützung kann sich aber natürlich als Lernfeld für gesellschaftliche Entwicklungen entwickeln.
Das Wohnumfeld ist so gestaltet, dass eine regelmäßige, am besten tägliche, Begegnung der dort Wohnenden ermöglicht wird, aber auch der Rückzug in einen privaten Bereich gegeben ist.
Die Gestaltung des Mietpreises sollte sich an vergleichbaren Wohnformen orientieren. Dies könnte unter anderem das studentische Wohnen sein. Dies führt dazu, die individuellen Wohnflächen möglichst gering zu halten.
Die bewusste moderierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen, im speziellen intergenerativer Bereiche, ist wesentlicher Bestandteil des Konzeptes und separat zu finanzieren (Beitrag der Wohnenden, Förderungen, Sponsoring, ..)
In einer Baulücke der Sulmgasse 8, 1160 Wien wird ein Generationenwohnhaus mit 7 Wohngemeinschaften geplant. Das Konzept sieht einen Mix aus verschiedenen Zimmertypen für den Privatbereich vor. Die überwiegende Zahl sind kleine Miniappartements mit 25m2. Alle Wohngemeinschaften erhalten einen großzügigen Freibereich in Form einer Terrasse oder Loggia. Den Zimmern ist ebenfalls ein kleiner privater Freibereich zugeordnet. An der Sulmgasse im Westen sind keine Erker und Balkone zulässig, eine „Schauseitenverkleidung“ in Form von 60cm breiten Gesimsen mit begrünten Flächenelementen bietet trotzdem einen Balkoneffekt. Bad und WC sind barrierefrei oder so angeordnet das mit geringen Maßnahmen eine behindertengerechte Kombination möglich ist. Je Geschoss befindet sich eine Wohngemeinschaft für 4-11 Bewohner die von einem zentralen Stiegenhaus erschlossen werden. Je Geschoss steht den Bewohnern ein großzügiger Gemeinschaftswohnraum mit Küche zur Verfügung. Dieser Raum geht in eine Wohndiele über, von der die privaten Wohneinheiten erschlossen werden. Dieser innenliegende Bereich wir über das Stiegenhaus und den Gemeinschaftsraum belichtet.
Die Erdgeschosszone bietet straßenseitig neben einem großzügigen Erschließungsfoyer mit angeschlossenem Fahrradraum eine Geschäftslokalfläche mit 45m² für Vereinsaktivitäten, eine Waschküche. Gartenseitig sind eine Wohngemeinschaft und eine kleine eigenständige Heimleiterwohnung sowie eine Nassgruppe beim Gartenausgang geplant.
Gemeinsames Thema für Jung & Alt: „urban gardening“ – „Gartl´n in der Stadt“ „Generationenwohnen“ sollte sich mit einer gemeinsamen Thematik beschäftigen, die das Alltagsleben strukturiert und ein generationenübergreifendes Miteinander fördert. Der große Garten des Objektes lädt ein zum Gestalten. Das Thema „urban gardening“ ermöglicht es körperliche Tätigkeiten den eigenen Ressourcen anzupassen. Darüber hinaus beruht „Garteln“ auf Erfahrungsschätzen die über Generationen hinweg ihre Bedeutung nicht verlieren und somit „altes“ und „neues“ Wissen sich ideal ergänzen können. „Urban gardening“ führt auch zu einer bewussten Auseinandersetzung mit der Natur sowie einer gesunden Ernährung und kann somit zu entscheidenden Entwicklungsfeldern für die eigene Lebensgestaltung werden. Die Umsetzung erfolgt durch Anlage und Bewirtschaftung von Hoch- und Frühbeeten im hauseigenen Garten.
Das Projekt „urban gardening“ wird ebenfalls durch die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien thematisch begleitet. Dies kann einerseits durch Diplomarbeiten im Rahmen des Bachelorabschlusses erfolgen oder durch freiwillige Mitarbeit von Studierenden, die das Wohnangebot in Verbindung mit generationenübergreifenden Kontakten und „urban gardening“ nutzen möchten.
Eine leitende und rahmende Grundstruktur erschließt und organisiert den gesamten Garten. Sie bietet den zukünftigen BewohnerInnen eine rohste und veränderbare Plattform der gärtnerischen Bespielung. Im Paradeisgart'l ist es möglich, dass die Hausgemeinschaft durch verschiedene Aktionen den Garten individuell gestaltet und ausformuliert. So gibt es von Beginn an eine Grundstruktur, die spätere Veränderungen und Erweiterungen ermöglichen. Der Garten ist ein verlängertes Wohnzimmer und soll den BewohnerInnen helfen sich gegenseitig auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Der Weg leitet die BesucherInnen aus dem Gebäude und weitet sich in Richtung Gemeinschaftsterrasse, als Mitte und Treffpunkt des Gartens, auf. Folgt man dem Weg weiter nach Osten, so verjüngt er sich einerseits in Richtung des hinteren Bereichs, andererseits löst er sich langsam in Trittstufen auf und endet an einer Sitzbank. Das Spiel mit der Wegbreite reagiert auf die Anforderungen der verschiedenen Nutzungsintensitäten. So befinden sich die Gemeinschaftsräume und intensiv genutzten Räume im vorderen Bereich. Der Rückzugsbereich hingegen befindet sich im hinteren Bereich. Die Trittstufen schaffen dort eine Grundstruktur für die künftigen selbstgebauten Hochbeete. Entlang der Grundstücksgrenze entwickelt sich jede Trittstufe zu einem Zaun, quasi als hochgeklappte Mauerscheibe mit entsprechenden Zwischenräumen. So entsteht ein halbdurchlässiger niedriger Zaun, um einen Austausch mit den NachbarInnen zu ermöglichen. Dem Gemeinschaftsraum vorgelagert ist eine Holzterrasse, die genügend Platz für Gartenfeste bietet. Begrenzt ist sie auf der Ostseite von einer Klinkermauer, die mit Bänken ausgestattet ist und mit Clematis berankt wird. In Verlängerung der Gemeinschaftsterrasse befinden sich der Spielbereich mit Balancierbalken und einer Sandkiste. Der Spielbereich ist sowohl vom Haus, als auch von allen Bereichen des Gartens gut einsehbar, so dass die Kinder immer unter Aufsicht sind.
Um die Gemeinschaft zwischen den BewohnerInnen zu fördern werden verschiedene Möglichkeiten geboten sich untereinander auszutauschen und miteinander Projekte zu realisieren. Eine gebaute Grundstruktur prägt den Garten auf längere Sicht. Sämtliche Wege und Terrassen sowie die Betonsitzbänke, die Holzbank entlang der Klinkermauer und erste Spielgeräte gibt es von Beginn an. Die Betonsitzmöbel begleiten den Weg und begrenzen ihn teilweise. Durch eine Sitzmauer als Schwelle zur Allgemeinfläche, wird den BewohnerInnen in der Erdgeschosszone ihre Privatsphäre gesichert. Von der Sitzmauer aus fällt der Garten Richtung Gemeinschaftsräume ab. Temporäre Interventionen ergänzen diese Maßnahmen und bringen noch mehr Individualität ins Paradeisgart'l. So können die BewohnerInnen sich ihre eigenen Hochbeete, eine lange Tafel für die Gemeinschaftsterrasse und verschiedenes Gartenmobiliar bauen. Auf der gemeinsamen Dachterrasse befindet sich, wie vor dem Gemeinschaftsraum, ein Holzdeck. Durch die gleiche Materialität wird eine optische Verbindung geschaffen.
Neben den drei Bestandsbäumen im Osten werden zwei Obstbäume gepflanzt. Die Hochbeete im Eingangsbereich können auf einer mit wassergebundener Wegedecke befestigten Fläche aufgestellt werden und bieten Platz für halbschattenliebende Pflanzen. Zudem wird die angrenzende Mauer mit Kiwi-Spalier bewachsen. Die potentiellen Hochbeetstandorte im Osten hingegen sind eher für wärme liebende Pflanzen geeignet. Die Errichtung und sämtliche Bepflanzungen der Hochbeete erfolgen in Eigenregie bzw. im Rahmen von Workshops durch die BewohnerInnen. Im Süd-östlichen Bereich des Gartens ist auch Platz für die Kompostierung im Sinne einer nachhaltigen Gartenpflege. Ein Highlight an der Westfassade zur Straße ist die vertikale Begrünung mit verschiedenen Kletterpflanzen. Durch die artenreiche Pflanzenauswahl ergibt sich durch unterschiedliche Blüte, Fruchtausbildung und Laubfärbung im Laufe des Jahres ein abwechslungsreiches Bild.
Das Gebäude erhält eine weiße Wärmedämmverbundfassade. Die Straßenseitige Front wird mit auskragenden Fertigteilbändern horizontal gegliedert und mit Grünrahmen vertikal verbunden. Hofseitig öffnen Loggien und Balkone das Gebäude zum Garten. Die Bauweise entspricht den Anforderungen der besonders energieeffizienten Gebäude.