Hero-Projektbild
Caritas Stadlau - Interior Design

Caritas Stadlau - Interior Design

Jahr
2013
Auftraggeber
Heimbau Gemeinn. Bau-, Wohnungs- u. Siedlungsgenossenschaft mbH.
Team
b18 Architekten, Freiraumplanung: Rajek Barosch, Statik: Vasko & Partner, HKLS Planung: Schmidt Reuter, Verkehrsplanung: Rosinak
Visualisierungen
b18 Architekten
BGF
ca. 9.370 m²

Pflegekonzept

Das "Hausgemeinschaftsmodell" beschreibt eine neue Entwicklung im Bereich der stationären Langzeitpflege. Es handelt sich dabei um eine räumliche und organisatorische Einheit, in der idealer Weise nicht mehr als 12 bis 15 ältere pflegebedürftige Menschen leben. Das „Wohnen“ und nicht das eher passive und fremdbestimmte Leben in einer Pflegeeinrichtung bildet den Kerngedanken des Hausgemeinschaftsmodells.

Die Hausgemeinschaft in der stationären Pflege soll sich so nah wie möglich am normalen Leben und der Biographie der BewohnerInnen orientieren. Die BewohnerInnen sollen weiterhin möglichst viele alltägliche und jahrelang vertraute Verrichtungen und Freizeitbeschäftigungen übernehmen, mithelfen oder einfach nur beobachten und zusehen. Das können Verrichtungen wie Kochen, Wäschewaschen, sauber machen oder ähnliches sein. Die damit verbundenen bekannten Gerüche und Geräusche können das Gefühl von Vertrautheit, von Sicherheit und Geborgenheit erzeugen, wirken stimulierend und sind wesentliche Elemente einer aktivierenden Pflege.

Durch die kleinen überschaubaren organisatorischen Einheiten wird zusätzlich eine stärkere Einbindung und Vertrautheit auch mit den Angehörigen bzw. Vertrauenspersonen möglich. Die geringere Bettenanzahl, ein klar strukturierter und biographiebezogener Tagesablauf ermöglicht den Bewohnern einer Pflegeeinrichtung eine verbesserte Orientierung.

Bauliche Umsetzung:

Mit dem Betreuungs- und Pflegekonzept des Pflegehauses Stadlau möchte die Caritas neue Wege gehen. Bestandteile des Hausgemeinschaftsmodells sollen fix in den Alltag integriert werden. Normalität des Wohnmilieus, Überschaubarkeit, Geborgenheit, Vertrautheit – dies alles sind Schlagworte, die im Pflegehaus Caritas Stadlau mit Leben gefüllt werden sollen.

In den Regelgeschossen leben je 12 BewohnerInnen in 3 Wohneinheiten in jeweils 12 Einzelzimmern, im Demenzbereich leben je 14 BewohnerInnen in 2 Wohneinheiten überwiegend in Einzelzimmern die verbunden werden können Der Eingangsbereich auf die einzelnen Ebenen ist als zentraler Bereich, mit von den Wohneinheiten gemeinsam genutzten Pflege- und Arbeitsräumen, gestaltet. Ein kleines Stationsleitungs- und Besprechungszimmer mit einem Arbeitsplatz und Besprechungs-möglichkeit sowie eine Sanitärgruppe für Mitarbeiter und Besucher wird hier eingerichtet.

Die einzelnen Wohneinheiten sind vom zentralen Bereich aus als zusammengehörig und als Einheit erkennbar. Am Eingang in die einzelnen Wohnbereiche findet sich der zentrale Kommunikationsbereich der Wohneinheit mit Garderobe, und einer kleinen Sitzecke.

Auf den Wohneinheiten sind keine klassischen Mittelflure, sondern kommunikationsfördernde Gemeinschaftsbereiche, Die Flure haben einen eindeutigen Verlauf vom Mittelpunkt, zum gestalteten erkennbaren Endpunkt, der Wohnküche. Sie sind belichtet, hell und an die Tages- bzw. Nachtzeit angepasst. BewohnerInnen finden auf dem Weg immer wieder Gelegenheit sich zu setzen und sich auszuruhen.

Die Wohnküchen stellen den Wohn- und Lebensmittelpunkt der Betreuungsbereiche dar. Hauswirtschaft wird Teil des von Bewohnern zu erlebenden Tagesablaufes. Die Wohnküche bietet 12 BewohnerInnen, MitarbeiterInnen und Angehörigen Platz und lädt sie ein, den Tag gemeinsam zu gestalten. In der Wohnküche können sich alle BewohnerInnen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen einbringen oder einfach still an der Gruppe teilhaben. Alltägliche Aufgaben wie Essensvorbereitung, Kochen, Tischdecken, werden in den Tagesablauf integriert.

Die Küchenzeile ist so angeordnet, dass BewohnerInnen eine Mitarbeit auch praktisch möglich ist. Der Herd steht frei im Raum, für BewohnerInnen gut sichtbar und erreichbar. Der Blick der MitarbeiterInnen ist bei allen Küchenarbeiten in den Raum zu den BewohnerInnen gerichtet.

In der Wohnküche gibt es eine gemütliche Ecke mit Sofa, Fernseher, Schrank, die trotz räumlich erkennbarer Trennung Teil der Wohnküche ist.

Ein Hauswirtschaftsraum ist nahe dem Küchenbereich und bietet Platz für Waschmaschine, Trockner, Bügelplatz, Tisch, Wäschesammler und Wäscheregale für Bewohnerwäsche.

Den Wohnküchen ist ein Zugang in den Garten bzw. Balkon zugeordnet. Ein Begehen ist ohne Stufe möglich, ggf. auch das Befahren mit einem Bett, Liegerollstuhl o.ä.

Das klassische Stationszimmer der Wohneinheiten „verschmilzt“ in/mit den Wohnküchen.

Die Bewohnerzimmer sind individuell und persönlich gestaltet, sie sind Rückzugsorte zum Leben in der Wohnküche. Eigene Möbel und Erinnerungsstücke können mitgebracht werden. Die Einzelzimmer sind von ihrer Größe her so konzipiert, dass der Platz für 2 Pflegebetten in Pflegestellung ausreicht.

Die beiden Hausgemeinschaften für Demenz richten sich an Bedürfnisse von alten Menschen mit dem Krankheitsbild fortgeschrittener Demenz (Alzheimer). Ihren ganz speziellen Bedürfnissen wird sowohl in räumlicher als auch in inhaltlicher Sicht begegnet. Zum Beispiel bieten ein Zugang in einen großzügigen Garten und innenliegende Rundwege eine räumliche Antwort auf den häufig vorliegenden Bewegungsdrang dementer BewohnerInnen.