BG & BRG St. Pölten
- Art des Projektes
- Wettbewerb
- Jahr
- 2011
- Auslober
- Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. (BIG)
- Visualisierungen
- b18 Architekten
- Nutzfläche
- ca. 11.500 m²
STÄDTEBAULICHE ASPEKTE
Die bisher ungünstige Eingangssituation mit der mächtigen Stiegenanlage soll zu einer offenen Vorplatzlösung mit direktem barrierefreien Zugang verändert werden. Im Norden der Anlage soll ein Teil des wenig genutzten Freibereiches an der Widerinstraße für einen Neubautrakt herangezogen und ein Schulhof gebildet werden. Der 3-geschossige Neubau gliedert sich in Höhe und Proportion in das bestehende Umfeld ein. Die bisherige klare Strukturierung der Anlage in Unterrichts-
und Sportbereich soll erhalten werden. Das Rasenspielfeld mit Laufbahn und Hartplatz werden im Sinne des Sport-Schwerpunktes der Schule nicht verändert. Die kleine Turnhalle wird durch eine neue Doppelturnhalle ersetzt und diese mit der bestehenden großen Turnhalle zu einem Gebäudeteil mit einheitlicher Fassadengestaltung verbunden.
BAUKÜNSTLERISCHE ASPEKTE
KONSTRUKTION UND FASSADENKONZEPT
Die konstruktiven Elemente – tragende Wände, Decken, Stützen – sind zur Erreichung der notwendigen Speichermassen in Stahlbeton vorgesehen. Die Fassaden werden großteils als Holz-Fertigelemente vorgehängt. Als Bekleidung sollen kostengünstige GFK Paneele verwendet werden, die von transluzent bis reflektierend changieren.
Im Bereich der Fensterbänder sitzen die Fenster mit kleinen Lüftungsflügeln tiefer in der Leibung und bedürfen daher keiner Beschattung.
FUNKTIONALE ASPEKTE
NEUBAUTRAKT
Der Neubautrakt an der Widerinstraße ist optimal an den Bestand angebunden. Vorhandene Gangstrukturen und Stiegenanlagen im Bestand werden zur Erschließung genützt. Durch einen neuen Aufzug im Trakt A wird auch dieser Bereich kostengünstig barrierefrei erschlossen. Das einfache statische System lässt Änderungen für zukünftige Nutzungen zu und fördert somit die Flexibilität und Nachhaltigkeit des Gebäudes. Die neue Bibliothek zeigt sich transparent zu einem 2-geschossigen Aufenthaltsbereich mit Sitzstufen als Kommunikationszone. Der Multifunktionsraum mit vorgelagertem Freibereich ist mit einem Musikraum erweiterbar und mit einem getrennten Eingang für Veranstaltungen extern nutzbar. Die Nachmittagsbetreuungsräume mit vorgelagerten Terrassen auf Gartenhofniveau sind an der Schnittstelle zum Trakt A angeordnet. Sonderräume und weitere Stammklassen werden im Neubautrakt über kurze Wege mit dem Altbestand verknüpft.
TURNHALLE
Zur Erhaltung des großzügigen Freiflächenangebotes und des Sport-Schwerpunktes der Schule wird anstatt der zu kleinen Turnhalle aus dem Jahre 1954 eine neue Doppelturnhalle geplant. Die Sanierung dieser Halle und der zusätzlich erforderliche Neubau einer Normturnhalle würden nach Einschätzung des Verfassers keine nennenswerten Kostenvorteile bringen und den Flächenverbrauch erhöhen. Überdies bringt die Anordnung der Doppelturnhalle auch wesentliche funktionelle Vorteile bei Belichtung, Erschließung, Garderobenanordnung und Kompaktheit. Der bestehende Garderobentrakt und die Übergabestation im Keller bleiben erhalten. Der Turnunterricht kann während der Umbauphase in der bestehenden großen Turnhalle stattfinden. Nach der Errichtung der Doppelturnhalle wird die Turnhalle aus dem Jahr 1972 im Zuge der Sanierung optisch mit der neuen Halle verbunden. Die 3 Normturnhallen haben dann ein einheitliches Erscheinungsbild. Die Doppelturnhalle bietet mehr Flexibilität und ist auch für größere Sportveranstaltungen geeignet. Über einen Nebeneingang ist die externe Nutzung der Turnhallen und Außenanlagen geplant.
EINGANG (BT A)
Da die bisherige Eingangslösung für die Erfordernisse eines modernen Schulbetriebs völlig unzureichend ist, wird die Erschließungszone komplett geändert. Die Außenstiegenbarriere und der Kellerabgang werden entfernt; Niveaus verändert, die bisher nicht nutzbaren Grünräume in eine neue Vorplatzlösung eingebunden. Der alte Baumbestand soll erhalten bleiben. Durch die Geländeveränderung gelangt man barrierefrei zum Kellergeschoss, den Zentralgarderoben und dem Fahrradraum. Der neue Vorplatz schafft eine großzügige, urbane, offene Zugangs- und Aufenthaltszone. In Verbindung mit der geänderten Bushaltezone entspricht diese Fläche auch den Sicherheitsanforderungen bei größeren Versammlungen (z.B. Wartezone, Pause, Schulbus, Unterrichtsbeginn)
BESTAND BT A+B
Im Bauteil A werden die Verwaltungsräume und Lehrerzimmer im EG neu gruppiert. Ein Aufzug wird in der Spindel der zentral gelegenen Hauptstiege nahe dem Eingang vorgesehen. Nachträgliche Einbauten werden zur Schaffung von Pausenflächen entfernt. Durch die neue Eingangslösung ergibt sich eine teilweise 2- geschossige Eingangshalle mit Galerien und Besprechungskojen im EG. Sonderräume wie Physik, Chemie, und Biologie werden lagemäßig nicht verändert. Im Bauteil B wurden die „Notklassen“ zu Gunsten von Pausenflächen entfernt.
ÖKONOMISCHE, ÖKOLOGISCHE ASPEKTE
KOSTEN
Der Neubautrakt kommt ohne aufwendige Erschließung und Aufzug aus, da er funktionell mit dem Aufzug im Bauteil A verknüpft wird. Eine Unterkellerung entfällt. Die kompakte zweihüftige Bauform und die separate, vom Haupttrakt leicht abtrennbare Lage ermöglicht eine einfache, kostengünstige Bauführung. Die bestehende Normturnhalle, zugehörige Garderoben und Haustechnikräume inkl. Hochspannungsraum im Keller bleiben erhalten. Die kleine Turnhalle wird abgerissen, da eine Sanierung aufwendig, funktionell ein Kompromiss und für die zusätzlich erforderliche Turnhalle die Hartplatzfläche erforderlich wäre. Durch die Planung der neuen Doppelturnhalle kann eine kompakte Gebäudehülle mit Einbeziehung der großen Bestandsturnhalle gebildet werden, die auch energetisch sinnvoll ist. Bis auf die Eingangssituation sind im Bestand keine wesentlichen Änderungen an den Grundrissen trotz Neuorganisation erforderlich.
BAUETAPPEN
Die Anordnung des Neubautraktes an der Widerinstraße ermöglicht eine Bauabwicklung ohne wesentliche Beeinträchtigung des Schulbetriebs. Durch den Erhalt der großen Normturnhalle ist auch ein durchgehender Turnunterricht möglich. Die baulichen Veränderungen im Bestand und die Herstellung des Vorplatzes mit der neuen Eingangslösung sind ohne Unterbrechung des Schulbetriebs bzw. in der Ferienzeit möglich.
ENERGIE KONZEPT
Für den Neubau des Theorietraktes wurde eine kompakte Bauform mit 3 Geschossen gewählt. Durch die funktionelle Kopplung an den Haupttrakt A ergibt sich eine einfache Erschließung mit kurzen Wegen und Entfall eines zusätzlichen Aufzuges. Das Gebäude wird als Niedrigenergiehaus ohne aufwendige Unterkellerung errichtet. Große Fensterbänder und Oberlichten sorgen für eine helle Atmosphäre und reduzieren den Kunstlichtanteil. Basis für das Gebäudeklimakonzept ist das thermisch optimierte Gebäude, das aufgrund von Grundriss, Verglasung, Sonnenschutz etc. in Kombination von Speichermassen und hohen Dämmwerten nur mehr wenig Energie zum Erreichen eines guten Raumklimas benötigt. Um eine sommerliche Überwärmung zu vermeiden, werden nicht überdeckte Bereiche im Osten, Süden und Westen mit einem einstrahlungs-gesteuerten Sonnenschutz versehen. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird bei den Turnhallen, der Kraftkammer und dem Multifunktionsbereich vorgesehen.
FREIRAUMPLANUNG
Die Interventionen des Freibereichs beschränken sich auf den Vorplatz und den Innenhof. Der Bereich vor dem Haupteingang an der Josefstraße wird zu einem urbanen Vorplatz umfunktioniert, der durch Einbeziehung bisher nicht zugänglicher begrünter Freiflächen eine neue stadträumliche Qualität erhält. Im Belag aus Farbasphalt sind lockere Baumgruppen mit integrierten Sitzgelegenheiten eingelassen. An der Widerinstraße entsteht durch den Neubautrakt ein U-förmiger, introvertierter Pausenhof. Eine Farbasphaltfläche wird durch Terrassenflächen und Grüninseln unterbrochen. Zwei elliptische Inseln fassen als Landschaftsintarsien Gräser, Kiesfelder, Sitzelemente und den vorhandenen Baumbestand. Die dem Multifunktionsraum vorgelagerte gepflasterte Terrasse setzt sich durch den Materialwechsel von der Umgebung ab, zwei Holzdecks werden jeweils über die Aufenthaltszone und den Speiseraum erschlossen.