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Passivhaus Oberndorfstraße

Passivhaus Oberndorfstraße

Art des Projektes
Bauträger-Wettbewerb
Jahr
2003
Auslober
Gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft „AUFBAU“ reg.Gen.m.b.H.
Team
Bernhart Krakora Architekten
Visualisierungen
Bernhart Krakora Architekten
Nutzfläche
ca. 2.200 m²

Themen und Baubeschreibung

a) Familienfreundliches Wohnen

Der Gemeinschafts-/Kinderspielraum „basement-club“ ist direkt beim Zugang angesiedelt und erhält eine Nassgruppe, eine Kitchenette und einen Vorgarten. Durch seine Lage an der wohnstraßenartigen Eibengasse ist der Bereich gut überschaubar, die großen Glasflächen und der Vorgarten sollen die Kommunikation mit den Kindern und Familien der Umgebung anregen.

Die Kleinkinderspielfläche ist im Innenhofbereich an sonniger Lage angelegt und kann von vielen Wohnungen eingesehen werden. Die Sicht- und Rufmöglichkeit ist in den meisten Fällen gegeben.

Der Fahrradabstellraum ist im Keller der Stiege 1 angesiedelt und über die Garagenrampe leicht „befahrbar“. Es stehen 2,1 m2 je Wohneinheit oder durchschnittlich 3 Räder je Wohnung zur Verfügung. Der Kinderwagenraum mit ca. 11,5 m2 (1 KW /3 WE) ist wegen der leichteren Erreichbarkeit im EG angesiedelt. Für Fahrräder+Kiwa stehen ca. 2,5 m2 /WE zur Verfügung.

Die Garage erhält über Fenster in der Rampe und im Gebäudesockel ausreichend natürliches Licht. Das spart Strom und bringt ein zusätzliches Sicherheitsmoment.

Bei der Grundrissgestaltung wurde auf Badgrößen über 5 m² und zumindest indirekte Belichtung über Oberlichten ( zum Wohnraum oder Vorraum) geachtet. Überwiegend sind querdurchlüftete Wohnungen geplant.

Die Waschküche wird mit Waschmaschine und Trockner ausgestattet und ist über einen Lichtschacht natürlich belichtet.

b) Standortadäquate Frei- und Grünraumplanung

Die Anlage liegt am Rande einer größeren Wohnanlage mit zentralem Platz und grünen Innenbereichen. Für Kinder im Schulalter bietet die Umgebung ausgezeichnete und wenig befahrene Freiräume an. Der Vorgartenbereich an der Eibengasse ist als robuster und pflegeleichter Rosen/Lavendelgarten– in Art einer Rabatte - geplant.

Durch die für den Bauplatz vorgesehene Randbebauung Richtung Süd und Ost ergibt sich eine kleine Innenhofzone von ca. 480 m2. Aus der Ost/West-Längserstreckung des Innenhofes resultiert eine gute Belichtung, die Mittel- und Rückzone eignet sich gut für den geplanten Kleinkinderspielplatz und die Sitzbereiche mit Pergolen.

Wege und befestigte Flächen sind sparsam eingesetzt und werden als sickerfähige Beläge ausgeführt. Im Grünbereich Hof sind überwiegend Rasenfläche und kleine bis mittelhohe Bäume (z.B. Sorbus, Acer campestris ) mit Strauchpflanzungen vorgesehen.

Frei- und Grünraum über Gebäudeteilen

Über dem Dachgeschoss ist eine cirka 300m² große Grünfläche in Form einer extensiven Dachbegrünung geplant. Mit ca.15 cm Substrathöhe sind pflegeleichte Sedum-Gras-Kraut Bepflanzungen ohne Bewässerung möglich.

In der Ost/West ausgerichteten allgemeinen Gartenfläche wird über dem ca. 120 m² großen Garagenteil ein 50 cm hoher Humuskörper für die Bepflanzung mit Sträuchern eingebaut. Daran schließt der ca. 360 m² große unbebaute Erdkörper mit Baumbepflanzung, Sträuchern und Rasenflächen an.

c) Integration im sozialen Wohnbau

Integration
Das Wohnungsangebot wird auch dem Wiener Integrationsfond bekannt gegeben. Mittels einer frühzeitigen Vergabe ist beabsichtigt, die Wohnungsmieter in vom Bauträger initiierten Meetings bekanntzumachen und die Kommunikation unter den Mietern zu fördern.

Kommunikation, bzw. kulturelles Miteinander
Der Eingangsbereich ist als mehrgeschossige offene Halle konzipiert, dieser Raum bietet durch Zuschnitt und Belichtung Anreiz für Begegnung und Alltags-Kommunikation.

Die Stiegenhäuser sind trotz des Passivhauskonzeptes über große Glasfassaden mit Isolierverglasung und thermisch getrennten Konstruktionen belichtet und als übersichtliche und helle Räume geplant.

Als direkte Maßnahme für kommunikatives Zusammenleben wird der 'basement - club' – ein mit Kitchenette, Sanitärgruppe und Grünbereich ausgestatteter Raum im Erdgeschoß - angeboten. Der 'basement-club’ wird als Kinderspielraum und Gemeinschaftsraum für Parties, Feiern und für Bewohner*inneninitiativen zur Verfügung gestellt. Dem 'basement-club' ist ein Grünbereich mit ca. 70 m2 Fläche vorgelagert. Die Verwaltung soll von der Hausgemeinschaft getragen werden.

Im Kellergeschoß wird dem Fahrradraum ein Arbeitsraum für kleine Reparaturen, Hobby und Basteln, Heimwerkeraktivitäten unter dem Arbeitstitel 'SelfWoman/SelfMan' angeschlossen und mit Basisausstattung versehen.

Arbeiten und Wohnen
Im Wohnungsverband werden zur Vorbereitung von PC-Arbeitsplätzen Anschlußpunkte an das Internet geschaffen. Die Wohnungen erhalten in jedem Zimmer einen Anschlußpunkt in Form von Verrohrung, Verkabelung und Steckdosen bzw. Leerverrohrung. Somit kann in den Wohnungen von einer im Vorraum eingebauten Anschlussdose aus mehrfach und wahlweise über die Telefon- oder Telekabelanbieter ein Internetanschluß hergestellt werden. In 2-Zimmerwohnungen bestehen 2 Anschlußpunkte, in 3 Zimmerwohnungen 3 Anschlußpunkte usw.

Generationenintegration
Das Grundrisskonzept sieht einen Mix aus 2 -, 3 - und 4 - Zimmerwohnungen vor. Für ältere/junge Paare werden 8 Wohnungen mit 2 Zimmern angeboten, durch die Anordnung der Schiebetüre kann ein offenes Raumkonzept umgesetzt werden. Weiters sind 16 Dreizimmerwohnungen und 5 Vierzimmerwohnungen für die 3 bis 5 Personenfamilien geplant.

Barrierefreiheit
Über die Anforderungen des §108 BauO Wien sind in Stiege 1 alle Ebenen, in den beiden anderen Stiegen das Dachgeschoss mit dem Aufzug zu erreichen. In der Garage werden 6 Längsparker als Behindertenstellplätze vorgesehen. Alle Wohnungsvorbereiche sind mit erweitertem Rollstuhlwenderadius geplant. In 17 Wohnungen (vorwiegend Stg. 1) sind die Küchen ohne bauliche Änderung rollstuhlgerecht zu möblieren. Die Bäder sind überwiegend neben Schächten angeordnet, sodass die Nachrüstung mit bodeneben eingelassenen Duschtassen und WC relativ günstig umzusetzen ist. Damit sind mehr als die Hälfte der angebotenen Wohnungen kostengünstig für Rollstuhlfahrer auszustatten.

d) Alternative Erdgeschossausbildung

An der Eibengasse wird das Erdgeschoss um 1,2 m1 über das Niveau gehoben – die natürliche Belichtung und Querdurchlüftung der Garage, die verringerte Sicht in die Wohnräume (Normalparapet > 2,0 m1) und der um ca. 20% geringere Bodeneingriff waren dafür ausschlaggebend.

Entlang der Oberdorfstraße sind Vorgärten möglich, daher wurde hier das Niveau tiefer gelegt und mit verschiedenen Raumhöhen gestaffelt. Der Kinderspiel-/Gemeinschaftsraum „basement-club“ hat 3,4 m1 Raumhöhe, und durch das angehobene Vorgartenniveau einen ebenen Gartenausgang. Die Wohneinheit im EG der Stiege 1 ist mit 3,2m1 Raumhöhe und einer deckartig vorgelagerten Holz-Terrasse geplant. Auf EG-Niveau ist auch ein 11 m2 Kinderwagenraum eingeschaltet (Fläche für 10 KW , das entspricht ca. 1/3 Wohnungsanzahl ).

Der Müllraum ist gemäß dem Altstoffsammlungskonzept der MA 48 für die Trennung von Hausmüll, Altpapier, Glas und Biomüll vorgesehen. Der Müllraum ist von der Eingangshalle und außen (MA 48) zugänglich.

e) Pkw-Stellplätze

Die gesetzliche Stellplatzverpflichtung ist grundsätzlich mit 10 eben stehenden Doppelparkpaletten 2.4/5.0 m1 und 9 konventionellen Stellplätzen 2.4/ 6.0 m1 gelöst. Neben den bauordnungsgemäß konfigurierten Stellplätzen gibt es 2 verlängerte Stellplätze 2.4 / 7.9 m1 („Smartyplus“), wahlweise als Behindertenstellplätze mit dreiseitig vergrößertem Zugang oder zur Unterbringung eines zusätzlichen kleinen Stadtautos oder Motorrades.

f) Passivhausstandard

Die geplante Bauweise ist auf den Passivhausstandard – per gültiger Definition sind dies - Heizwärmeverbrauch < 15,0 kWh/m2a, kontrollierte Wohnraumlüftung mit ca. 120 m³/h bzw. mind. 30m³/Person, niedriger Luftleckrate mit n50 < 0,6h-1, Jahresprimärenergieverbrauch < 120 kWh/m²a und keine Hüllfläche mit U-Wert > 0,15 Wim²K ausgerichtet.

Die Anforderungen für das Niedrigenergiehaus sind damit weit unterschritten. Der Nachweis wird mit dem vom Passivhausinstitut Darmstadt (Dr. W. Feist) herausgegebenen Passivhausvorprojektierungspaket geführt. Darin sind die Energiegewinne durch Erdwärmekollektor und Wärmetauscher, sowie die niedrigere Leckluftrate berücksichtigt. Falls erforderlich, kann der für das NEH geforderte Nachweis ohne diese Werte ebenfalls kurzfristig nachgebracht werden. Da die Rechenwerte dieses Nachweisverfahrens infolge der fehlenden Parameter vom richtigen Ergebnis abweichen, wurde vorerst darauf verzichtet.

Haustechnikkonzept
Die Haustechnikanlage ist wohnungsweise, mit Ansaugung über gemeinsame Erdkollektoren, aufgebaut. Die Zuluft (100% Frischluft) wird über den Kollektor und den Gegenstrom-Plattenwärmetauscher vorgewärmt und erforderlichenfalls über die integrierte Kleinwärmepumpe bzw. elektrisch nacherwärmt. Als Ventilatoren werden effiziente Gleichstromventilatoren eingesetzt. Die Fortluft wird in Küche, Bad und WC konstant abgesaugt und über Dach geführt. Ab dem Wohnungskompaktmodul, welches im Stiegenhaus leicht zugänglich angeordnet ist, werden die Luftleitungen mit Schalldämpfern ausgerüstet, sodass keine Telefonie-Effekte zwischen den Zimmern auftreten. Die Temperatursteuerung in der Wohnung erfolgt mit einem Raumthermostat. Die Warmwasserbereitung erfolgt ebenfalls mittels Kleinwärmepumpe im Kompaktmodul, die Boilergröße wird der Wohnungsgröße entsprechend ausgelegt. Der Boiler kann mit einer Heizpatrone nachgerüstet werden. Die Regelauslegung für die 3-Zimmerwohnung beträgt 120m³ Luft/h und 200 lit. Warmwasser-Brauchwasser.

Bauweise

Tragstruktur:
Die Tragstruktur wird von einem Betonskelett gebildet.
Außenwand:
Als nichttragender Außenwandbildner wird eine hochgedämmte Holzkonstruktion mit TJI+OSBoards oder Celltechkonstruktion, innenliegender Gipskartonbekleidung und außenliegender, hinterlüfteter Fassade herangezogen.
Fenster:
Die Fenster sind als passivhaus-taugliche Holz-Alufenster mit überdämmtem Rahmen vorgesehen.
Sonnenschutz:
Die Süd- und Ostfassaden erhalten einen verschiebbaren Sonnenschutz für die Sommerperiode.
Wandsockel:
Der Wandsockel auf der Kellerdecke wird mit Foamglas bzw. Porenbetonstein zusätzlich gedämmt.
Kellerdecke:
Über dem unbeheizten Keller wird eine aufgeständerte Wärme-dämmebene eingezogen.
Dachkonstruktion:
Die Dächer sind als Kombidächer mit 2/3 Warmdach und darüberliegendem 1/3 Umkehrdachaufbau geplant. Auf HLWD (Vakuumdämmung) wird wegen fehlender Langzeiterprobung noch verzichtet.

Zwei Stiegenhäuser sind in die Energiebezugsfläche integriert, die Eingangsstiege ist als konstruktiv getrennter Kaltraum mit innenliegendem, modifiziertem Außenwandaufbau geplant. Der Gemeinschafts-/Kinderspielraum ist in die Energiebezugsfläche ebenfalls einbezogen.