Nordwestbahnhof Phase A.2
- Art des Projektes
- 1. Preis Wettbewerb
- Jahr
- 2026
- Auslober
- ÖBB Infrastruktur AG in Kooperation mit Wohnfonds Wien
- Team
- b18 Architekten ZT GmbH, Treberspurg & Partner Architekten, Landschaftsplanung: YEWO, Modellbau: Mattweiss
- Visualisierungen
- b18 Architekten
- Nutzfläche
- NF ca. 1.086 m²
Architektur / Städtebau
Städtebauliches Konzept
Ziel der Entwurfsentwicklung ist das weitgehende Freihalten des Innenbereiches sowie die Nutzung städtebaulicher Synergien durch das Zusammenziehen zweier Bauplätze. Die Bebauung wird als durchlässige Struktur organisiert, die durch klar ausgebildete Hochpunkte und gezielte Öffnungen gegliedert ist. Dadurch entstehen Blickbeziehungen, Durchwegungen und eine gute natürliche Durchlüftung der Anlage.
Gebäudestruktur - 5 Gebäude, gemeinsamer Sockel
Das Ensemble besteht aus fünf punktförmigen Baukörpern mit gemeinsamer Sockelzone. Drei kompakte Gebäude sowie zwei miteinander verbundene Pflegeheimtrakte bilden fünf kommunizierende Gebäudetypen. Diese differenzierte, jedoch klar lesbare Gebäudestruktur schafft eine Balance zwischen städtebaulicher Dichte, Orientierung und Freiraumqualität.
Lebendige Erdgeschosszone, Nutzungen und Adressbildung
Die Erdgeschosszone wird als aktive, quartierbezogene Ebene programmiert. Bereits definierte Nutzungen sorgen für eine funktionale Mischung und eine kontinuierliche Belebung des öffentlichen Raums:
• Pflegeheim an der Ecke der Struktureinheit 3 mit Eingang von der Stichstraße.
• Volkshochschule Brigittenau mit Zugang und stadträumlicher Orientierung zur Taborstraße.
• KWP-All-in-Club als durchgesteckter Baustein zwischen Spange und Innenhof.
• Treffpunkt Integrationshaus mit Grätzlhub an der nordwestlichen Ecke der Struktureinheit 1.
• Physiotherapie, Friseur/Nagelpflege und Arztordinationen an der Stichstraße
Ergänzende Sondernutzungen, eine Generationen WG sowie eine Heimeinheit für Pflegepersonal und Ehrenamtliche im Dachgeschoss erweitern das Angebot rund um das Pflegeheim.
Im 1. Obergeschoss sind weitere Einrichtungen des Integrationshauses sowie Räume der Volkshochschule Brigittenau vorgesehen. Vier zum Innenhof durchgesteckte Stiegenhäuser schaffen eine klare Adressbildung der Wohnbereiche und stärken die Identifikation mit den einzelnen Häusern.
Durchwegung und räumliche Verbindungen
Die Anlage öffnet sich an den vorgegebenen Punkten zum Quartier und wird zusätzlich durch interne räumliche Verbindungen vernetzt:
• offene teils 2-geschossige Mittelzone des Pflegeheims
• zweigeschossiges Foyer der Volkshochschule
• Wohnhauszugänge vom Park an der Erschließungsspange
Gemeinschaftsräume
Ein Gemeinschaftsraum liegt kommunikativ zwischen den Zugängen der Stiege 3 und 4 und öffnet sich von der Spange zum Innenhof. Weitere Gemeinschaftsräume im Obergeschoss und Dachgeschoss orientieren sich zu den begrünten Dachterrassen in den „Fugen“
Klimaresilienter Städtebau mit klimatischen Fugen"
Zwischen den fünf Gebäuden entstehen über der Sockelzone begrünte Fugen, die als Freiraum- und Klimapuffer wirken. Das im Leitbild vorgesehene Lichtraumprofil beim Zugang von der Stichstraße wird durch die Verbindung der zwei Struktureinheiten neu interpretiert:
• zusätzliche Öffnung/Fuge an der Taborstraße
• weitere Öffnung an der Spange
Diese Gliederung verbessert die Belüftung der Innenzone und stärkt die räumliche Durchlässigkeit des Quartiers.
Wohnqualität und natürliche Belichtung"
Durch die Ausbildung von drei kompakten punktförmigen Gebäuden kann ein Großteil der Wohnungen über Eck organisiert werden. Dadurch entstehen gute natürliche Durchlüftungsmöglichkeiten und vielfältige Blickbeziehungen. Die Stiegenhäuser werden über Fassadenöffnungen natürlich belichtet. Die Grundrisse zeigen viel Stauraumfläche und einfache Möblierbarkeit mit Standardmöbeln. Intime Loggien mit ergänzenden Balkonen bieten ein privates Freiraumangebot.
Bauweise und Materialkonzept - Materialstrategie – Beton und Holz
Die bauliche Struktur folgt dem Prinzip, Materialien entsprechend ihren Eigenschaften einzusetzen:
Beton so wenig wie notwendig – Holz so effizient wie möglich.
Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis aus Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit und Ressourcenschonung.
Durch die zusätzliche brandschutztechnische Sicherheitseinrichtung einer Mitteldruck-Sprinkleranlage kann Holz auch bei Gebäuden höherer Gebäudeklassen – etwa beim kleinen Hochhaus und beim Pflegeheim – nachhaltig eingesetzt werden. Weiters sieht man den Bedarf für den Nachbarbauplatz mit dem Hochhaus auch gegeben, wodurch die Kosten der Infrastruktur für ein gemeinsames Sprinklerbecken geteilt und insgesamt reduziert werden kann.
Konstruktionssysteme
• Sockelgeschoss: Stahlbetonskelettbauweise für hohe Flexibilität der Erdgeschossnutzungen
• Pflegeheim und kleines Hochhaus: Holz-Beton-Hybridbauweise, Modulbauweise für Bäder und Wandelemente
• Zwei niedrigere Wohnhäuser: wirtschaftliche und ressourcenschonende Holzbauweise
Die Kombination der Konstruktionssysteme reagiert gezielt auf Nutzung, Spannweiten und statische Anforderungen.
Diese abgestimmte Materialwahl ermöglicht eine nachhaltige, wirtschaftliche und robuste Bauweise mit reduziertem Materialeinsatz und hoher struktureller Flexibilität über den gesamten Lebenszyklus.